Der Kunstwelt-Verein Berlin:

Fluch oder Segen für den Mehringplatz ?

Her­bert Bonger Voges. Jed­er Clubchef in München ken­nt ange­blich seinen Namen. Man sagt, er habe die Par­tykul­tur neu erfun­den. Seine “Negerhalle” war die erste Hal­lendis­co Deutsch­lands. Mitte der Achtziger Jahre brachte er Kun­st und Kom­merz zusam­men – Tan­za­uf­führun­gen und jeden Sam­stag Par­ty.

1996 zog der smarte Par­ty­or­gan­isator nach Berlin. Seine Entschei­dung, sich am Mehring­platz niederzu­lassen, ent­pup­pte sich als Glücks­fall für ihn. Zusam­men mit der Juristin Kris­ti­jana Pena­va grün­dete er den Kunst­welt e.V. und suchte nach Möglichkeit­en, Geld zu ver­di­enen.

An Pro­jek­tideen man­gelte es ihm nicht, aber mit der prak­tis­chen Umset­zung haperte es meis­tens. Voges’ 1999 groß­mundig in der Presse angekündigtes Pro­jekt Das Orakel von Berlin scheit­erte bere­its bevor es richtig los­ging. Laut Voges ist das Pro­jekt längst begraben, was den Kunst­welt-Vere­in aber nicht daran hin­dert, auf sein­er Home­page darüber zu bericht­en als arbeite man noch inten­siv daran.

In der aktuellen Satzung des Kunst­welt e.V. ste­ht sog­ar: Zweck des Vere­ins ist es, die Kun­stin­stal­la­tion „Das Orakel von Berlin” fördernd zu begleit­en und die mit ihr im Zusam­men­hang ste­hen­den Ver­anstal­tun­gen durchzuführen sowie Öffentlichkeit­sar­beit zu leis­ten. Der Vere­in unter­stützt durch per­son­elle, organ­isatorische, sach­liche und finanzielle Mit­tel die konkrete Umset­zung der Kun­stin­stal­la­tion und die damit im Zusam­men­hang ste­hen­den Ver­anstal­tun­gen. Wir fiebern ges­pan­nt den Ver­anstal­tun­gen ent­ge­gen, die da auf uns zukom­men wer­den.

Die clever­ste Idee des Ges­panns Voges-Pena­va war die Über­nahme des Quartiers­man­age­ment (QM) Mehring­platz durch ihren Kunst­welt e.V. in 2005. Für dessen Ver­wal­tung floss im Jahr 2013 fast eine Viertelmil­lion Euro an Fördergeldern in die Kassen des Kunst­welt e.V. Kris­ti­jana Pena­va ist Vor­stand des Kunst­welt e.V. und gle­ichzeit­ig Geschäfts­führerin des QM Mehring­platz.

Mit dem Pro­jekt Europafes­ti­val beauf­tragte das QM prak­tis­cher­weise seinen eige­nen Träger, den Kunst­welt e.V. Und weil das Geld so lock­er sitzt, durfte der Kunst­welt e.V. das Spek­takel, das unter der Rubrik „Mehr Chan­cen auf dem Arbeits­markt“(!) lief, gle­ich dreimal aus­richt­en. Gesamtkosten 50.355 Euro. Fah­nen­schwin­gen und Trom­meln zur Image-Förderung und um poten­tielle Arbeit­ge­ber auf das Quarti­er Mehring­platz mit seinen vie­len Arbeit­slosen aufmerk­sam zu machen! Darauf muss man erste inmal kom­men.

Das Schlimm­ste stand den Mehringkiezbe­wohn­ern aber noch bevor. Voges real­isierte den Pfad der Visionäre – ver­an­schlagte Kosten 300.000 Euro, die von pri­vat­en Spon­soren aufge­bracht wer­den soll­ten. Doch auch dieses Pro­jekt scheit­erte kläglich. Einige Monate nach der Ein­wei­hung zer­fie­len die Boden­plat­ten bis nur noch Fet­zen übrig waren, die so manchen arglosen Pas­san­ten zu Fall bracht­en. Das Pro­jekt wurde für die Bewohn­er und Gewer­be­treiben­den zum jahre­lan­gen Alb­traum.

Dann woll­ten Voges und Pena­va den Pfad der Visionäre erneut in Angriff nehmen. Doch von den Spenden­geldern war offen­bar nichts mehr da. Denn nun forderten Voges und Pena­va plöt­zlich die benötigten 320.000 Euro vom Bezirk­samt Friedrichshain-Kreuzberg. Toll! Erst ein sünd­teures Pro­jekt in den Sand set­zen und dann den Steuerzahler zur Kasse bit­ten!

Das Bezirk­samt Friedrichshain-Kreuzberg sagte schließlich 100.000 Euro zu – unter der Voraus­set­zung, dass Voges die restlichen 220.000 Euro von pri­vat­en Spendern auftreiben kann. Außer­dem sollte Voges eine detail­lierte Liste über bere­its kassierte Spenden und deren Ver­wen­dung vor­legen. Voges kon­nte oder wollte eine solche Liste jedoch nicht vor­legen. Stattdessen präsen­tierte er drei neue Finanz­pläne.

Stad­tat Hans Pan­hoff wollte dann seine Entschei­dung vom Gutacht­en der Kom­mis­sion für Kun­st im öffentlichen Raum abhängig machen. Als diese dem „Pfad der Visionäre“ jeglichen kün­st­lerischen Wert absprach und bemän­gelte, dass Voges und Pena­va für ihr ursprünglich pri­vat zu finanzieren­des Pro­jekt plöt­zlich „durch die Hin­tertür“ Steuergelder forderten, änderte Pan­hoff erneut seine Mei­n­ung. Er scherte sich nicht mehr um die neg­a­tive Beurteilung der Kom­mis­sion und fühlte sich plöt­zlich dem ange­blichen Ver­sprechen seines Amtsvorgängers und Parteifre­un­des Franz Schulz verpflichtet, der die Finanzierung des Pfades aus öffentlichen Mit­teln befür­wortet haben soll.

Das Ver­wirrspiel ging weit­er. Mal hieß es, der Antrag an die BVV wurde wieder zurück­ge­zo­gen, dann war die Rede von 130.000 Euro, auch von 138.000 Euro, die Pan­hoff in den Pfad steck­en wolle. Was soll’s! Auf ein paar Tausender mehr oder weniger kam es doch nicht an!

Ob der Pfad der Visionäre von Voges in Berlin je real­isiert wird, ist jedoch nicht mehr so sich­er, da er Anfang Juli als Vor­standsvor­sitzen­der des Kunst­welt e.V. zurück­treten musste. Es war bekan­nt gewor­den, dass er seit sechs Jahren in eini­gen Berlin­er und Ham­burg­er Hard­core-Sex­clubs geschmack­lose “Sklave­nauk­tio­nen” organ­isiert.

Kris­ti­jana Pena­va, die ein/zwei Som­mer lang ver­suchte, als Frozen-Yoghurt-Verkäuferin im Mehringkiez Geld zu ver­di­enen, scheint zurzeit Anwältin ohne Kan­zlei zu sein. Der Anwalt­skam­mer Berlin gab sie zwar als neue Adresse Wich­er­straße 43 an — dort ist jedoch kein Hin­weiss­child zu ein­er Anwalt­skan­zlei zu find­en. Laut Auskun­ft eines Nach­barn befind­et sich dort nur Penavas Pri­vat­woh­nung.

Als Ein­nah­me­quelle bleibt Pena­va aber noch das QM Mehring­platz, weshalb sie krampfhaft ver­sucht, den Zugriff zu den Fördertöpfen nicht zu ver­lieren. In der Bewohn­er­schaft regt sich näm­lich immer mehr Wider­stand gegen das inef­fiziente QM, das den Steuerzahler teuer zu ste­hen kommt.

Vor unge­fähr 15 Jahren gelang es Voges irgend­wie, die lan­de­seigene Wohn­bauge­sellschaft GEWOBAG zu überzeu­gen, ihm eine geräu­mige Laden­fläche im Haus Friedrich­straße 4 miet­frei zur Ver­fü­gung zu stellen. Wir fragten die GEWOBAG, mit welch­er Begrün­dung sie Voges, der abso­lut nichts zum Wohle des Quartiers Mehring­platz beige­tra­gen hat, diese Räume über­lassen hat, erhiel­ten jedoch keine Antwort. Wir hof­fen trotz­dem, dass dort bald eine Insti­tu­tion einzieht, die den Mehringkiez wirk­lich vor­wärts­bringt.

Mag­gy Boé

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Author: Redaktion

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